3. Okt
2011
 
 

Persönlichkeiten: Grenzgänger und Wanderprediger

Da steht er nun und kann nicht anders, als Abschied zu nehmen. Wer Heiner Monheim kennt, weiß um seine Beharrlichkeit und darum, dass Aufgeben für ihn eigentlich ein Fremdwort ist. Ganze Generationen von Studenten haben ihn hier, an der Universität Trier, als einen kennengelernt, der mit unerschöpflicher Energie stets voran stürmt; dem Macht- und Befindlichkeitsspielchen zuwieder, das Streben nach Veränderung als Verbesserung aber das stete Ziel sind. Als sagenumwoben gilt der Professor, mit dessen Tempo auf Exkursionen keiner wirklich mithalten konnte und den man fast immer in irgendeiner Bahn in Deutschland antraf, bis tief in die Nacht arbeitend. Doch nun zieht er zwangsläufig die letzte Bilanz und malt dabei in seiner großartigen Ehrlichkeit wahrlich kein ausschließlich goldenes Bild. Er spricht vom Scheitern, von Ärger und Wut, aber auch von Hoffnungsschimmern, von Freude am Diskurs und von Begeisterung über seine Absolventen. Als einzigartige Verkörperung der Symbiose aus Wissenschaft und Praxis hat er in der Lehre nicht selten Erfüllung gefunden, vor allem wenn es gelang, Horizonte zu öffnen. Der unbeeindruckte und freie Blick auf die Zukunft bildet sein Credo:

Nur wer sich auch andere Zukünfte vorstellen kann als die, die wir ständig von Prognosen als unvermeidbar diktiert bekommen, lässt sich nicht zu deren Erfüllungsgehilfen degradieren und kann die Zukunft mitgestalten.

Heiner Monheim, langjähriger Professor für Angewandte Geographie an der Universität Trier, zählt nun zu den Rentnern. mehr

 
 
 
22. Jul
2011
 
 

Mobilität: Allheilmittel mit Nebenwirkungen

Da staunt der Laie und der Fachmann freut sich: Das Projekt ›Stuttgart 21‹ (Plus) hat den Stresstest bestanden. Sofort vergessen sind verbindliche Ansagen an Demonstranten-Memmen und hysterische Unglücks-Prophezeiungen, Schnee von gestern auch die Unkenrufe zur Rechtswidrigkeit der Finanzierung oder zum Nutzen des Verkehrsgroßprojekts. Nun kehrt, wie an Weihnachten, endlich wieder Friede ein in die vom Streit so gebeutelte Seele aller Betroffenen oder sich betroffen Fühlenden. Und der Bahn hätte wirklich kein besseres Propaganda-Geschenk vor die Füße fallen können, angesichts all der Verleumdungen und üblen Nachreden, die sie der ruinösen Wertvernichtung und der Verursachung des verkehrspolitischen Super-GAUs bezichtigen. Stresstests haben immer Recht, und wer trotzdem noch nicht an die Wirklichkeit veränderne Kraft der Papier gewordenen Fakten glaubt, entlarvt sich selbst als schmierigen Immernörgler und spröden Fortschrittsfeind. mehr

 
 
 
10. Jul
2011
 
 

Mobilität: Ohne den Wirt

Wo die Deutsche Bahn sich selbst auf dem Weg sieht zum »weltweit führenden Mobilitäts- und Logistikunternehmen«, da macht ihr höchstens ihre eigene himmelschreiende Misswirtschaft Beine; wo Bahnchef Grube lieber von Hochgeschwindigkeitsverbindungen ins Ausland träumt, da lässt die Bahn ihre eigenen Kunden im Regen stehen und setzt regelmäßig deren Sicherheit aufs Spiel; wo es eigentlich ein weit verzweigtes Schienennetz bräuchte, weil von jeher die Systemgeschwindigkeit und nicht die Streckengeschwindigkeit über Zeitvorteile eines Verkehrsmittels entscheidet, da lässt die Bahn seit Jahren systematisch den Rest des Netzes verfallen, das sie noch nicht zurückbauen konnte; wo Management und politische Entscheider in Fluglinien denken, da gehen der Bahn immer weiter Marktanteile im Wettbewerb mit dem PKW verloren. Wo Grube behauptet, der integrierte Konzern habe »seine Stärke bewiesen«, da steht die Nachkriegs-Eisenbahn in Deutschland so schlecht da wie nie zuvor. Eine Abrechnung. mehr

 
 
 
9. Jul
2011
 
 

Mobilität: Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf …

Das Bahn-Großprojekt ›Stuttgart 21‹ avanciert – selbst in seiner rhetorisch mühsam aufgewerteten Variante ›Stuttgart 21 plus‹ – immer mehr zu einem Jahrhundert-Possenspiel. Die Schwabenmetropole gönnt sich keineswegs das »neue Herz Europas«, wie es vonseiten der Projektträger noch immer euphemistisch heißt. Stattdessen mutiert das gigantische Infrastrukturvorhaben zur mickrigen Rummelbude, in der sich die einen als Kasperle, die anderen als Wahrsager, wieder andere als Trickbetrüger versuchen. Daran tragen aber keineswegs die vermeintlichen ›Innovationsfeinde‹ oder ›Fortschritsshasser‹ schuld, die der Bahn keine Hochgeschwindigkeit gönnen wollen. mehr

 
 
 
12. Apr
2011
 
 

Globales: Damit das Spiel der Mächte weitergeht

Vor genau vier Jahren – am 12. April 2007 – landete mein Flieger in Frankfurt/M., der mich von einer sechswöchigen Studienreise in Kenia und Uganda nachhause zurückgebracht hatte. Eine geschlagene Woche musste ins Land gehen, bevor ich sozusagen mit allen Sinnen wieder zuhause angekommen war; während in Deutschland, mitten im April, das Thermometer auf 30° Celsius kletterte. An Erkenntnissen konnte ich ehrlich gesagt nicht viel über die kontinentale Grenze herüberretten: Die Tour ließ mich, das gebe ich offen zu, eher ratlos zurück. Ich hatte viele arme Menschen erlebt, die selbst im tiefsten Elend noch eine gewisse tägliche Normalität zu bewahren versuchten; Reiche, die sich in der Rolle des Retters gefielen und sich dafür feiern ließen; Würdenträger und Entscheider, denen nur an der Befriedigung der eigenen Interessen gelegen zu sein schien; Strukturen, die auf Abhängigkeiten gründeten und sich so immer fort selbst perpetuierten – und all das bedeckt vom Mehltau eines stillen, aber mächtigen Abkommens zwischen den Beteiligten: Niemand stört den Status Quo! mehr

 
 
 
8. Apr
2011
 
 

Energie: Die Zukunft liegt vor der Haustür

Es nimmt sich natürlich ausgesprochen leicht aus, auf die Atomlobby und deren Lügenpropaganda zu schimpfen. Kernenergie ist heiße Luft von gestern – auch wenn uns die bisher produzierten radioaktiven Abfälle noch einige Jahrtausende heimleuchten werden –, davon sollte sich jeder verantwortlich denkende Bürger mittlerweile überzeugt haben können; nicht nur wegen der reflexhaften Rückwärtsrolle aller großen (aber auch mittlerweile marginalen) politischen Parteien. Allein, wer das wohlfeile Geschimpfe auf Stammtisch-Niveau hinter sich lassen und wirklich mal ein wenig Grips in die Zukunft investieren will, muss sich unvermeidlicherweise der Frage stellen: Wie soll denn die Energieversorgung unseres Landes zukünftig aussehen, so ganz ohne Atomstrom? Die Antwort kann indes kaum klarer ausfallen: dezentral. mehr

 
 
 
1. Apr
2011
 
 

Energie: Atomgetriebenes Narrenschiff

Die Atomkatastrophe in Japan ist an Tragik nicht zu übertreffen, keine Frage. Unsere Gedanken müssen immer zuallererst zu den Opfern und den direkt betroffenen Menschen gehen. Doch darüber hinaus entspinnt sich – ausgehend vom Eintreffen des zuvor Undenkbaren – eine Debatte über Kernenergie und Atompolitik, die an Verwirrung, Manipulation, Absurdität und Gewissenlosigkeit ihresgleichen vergeblich sucht. Nicht der rational entscheidende Wähler, sondern der von seiner Urangst beherrschte Untermensch habe den Regierungsparteien CDU und FDP in Baden-Württemberg eine Wahlniederlage beschert, heißt es offiziell. Jetzt komme es darauf an, Sicherheitsrisiken neu zu bewerten und einen Ausstieg mit Augenmaß zu erreichen. Allzu gern und schnell wird verdrängt, dass der politische und gesellschaftliche Super-GAU (für größte anzunehmende Unverantwortlichkeit) nicht erst seit Fukushima, sondern bereits seit dem Bundestagsbeschluss zur Laufzeitverlängerung stattfindet. mehr