Natürliche Farben zum Wohnen einsetzen

Natürliche Farben zum Wohnen einsetzen

Dieser Text richtet sich an dich, wenn du dein Zuhause mit natürlichen Farben gestalten möchtest und nach fundierten Informationen suchst, um die Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten dieser nachhaltigen und gesunden Wohnlösungen zu verstehen. Du erfährst hier, wie du mit Farben aus natürlichen Rohstoffen eine behagliche, gesunde und ästhetisch ansprechende Wohnatmosphäre schaffst.

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Die Vielfalt natürlicher Farben für dein Zuhause

Natürliche Farben, oft auch als mineralische oder pflanzliche Farben bezeichnet, basieren auf Rohstoffen, die direkt aus der Natur gewonnen werden. Diese Farben unterscheiden sich grundlegend von synthetischen Alternativen durch ihre Zusammensetzung, ihre Wirkungsweise und ihre positiven Auswirkungen auf das Raumklima sowie deine Gesundheit. Ihre Anwendung im Wohnbereich ermöglicht dir eine bewusste Entscheidung für ein gesünderes und umweltfreundlicheres Umfeld.

Vorteile natürlicher Farben

  • Gesundes Raumklima: Natürliche Farben sind diffusionsoffen, das heißt, sie lassen Wasserdampf durch. Dies unterstützt eine regulierte Luftfeuchtigkeit und beugt Schimmelbildung vor. Sie enthalten keine flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs), die oft Kopfschmerzen, Allergien und Atemwegsprobleme verursachen können.
  • Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit: Die Rohstoffe für natürliche Farben sind nachwachsend oder mineralischen Ursprungs und oft biologisch abbaubar. Die Herstellung ist in der Regel energieeffizienter als bei synthetischen Farben.
  • Ästhetik und Haptik: Natürliche Farben zeichnen sich durch ihre matte Oberfläche, ihre tiefe Farbgebung und ihre charakteristische Haptik aus. Sie verleihen Wänden eine lebendige Textur und ein warmes, einladendes Ambiente, das von der Natur inspiriert ist.
  • Allergikerfreundlichkeit: Durch den Verzicht auf chemische Zusatzstoffe, Lösungsmittel und Konservierungsstoffe sind natürliche Farben oft die ideale Wahl für Allergiker und empfindliche Personen.
  • Langlebigkeit und Beständigkeit: Mineralische Farben wie Silikatfarben oder Kalkfarben verbinden sich chemisch mit dem Untergrund und bilden so eine extrem widerstandsfähige und langlebige Oberfläche, die nicht abplatzt.

Arten natürlicher Farben und ihre Eigenschaften

Die Welt der natürlichen Farben ist vielfältig und bietet für jeden Anwendungsbereich die passende Lösung. Von mineralischen Bindemitteln bis hin zu pflanzlichen Pigmenten – die Auswahl ist groß und ermöglicht eine individuelle Gestaltung.

Mineralfarben

Diese Farben basieren auf anorganischen Bindemitteln und Pigmenten. Sie sind bekannt für ihre besondere Langlebigkeit und ihre hervorragenden diffusionsoffenen Eigenschaften.

  • Silikatfarben (auch Kaliwasserglasfarben): Sie basieren auf Kaliumsilikat (Wasserglas) als Bindemittel und mineralischen Pigmenten. Silikatfarben verbinden sich durch Verkieselung chemisch mit mineralischen Untergründen wie Putz, Beton oder Mauerwerk. Dies macht sie extrem diffusionsoffen, alkalisch (was Schimmel vorbeugt) und abriebfest. Sie sind besonders geeignet für Innenräume mit hoher Feuchtigkeitsbelastung wie Bäder und Küchen, aber auch für Fassaden.
  • Kalkfarben: Kalkfarben werden aus gelöschtem Kalk (Calciumhydroxid) hergestellt. Sie sind ebenfalls diffusionsoffen, alkalisch und haben eine einzigartige, samtige Optik. Die Farbe entsteht durch Carbonatisierung, bei der der Kalk mit dem Kohlendioxid aus der Luft reagiert und zu Calciumcarbonat (chemisch betrachtet Kreide) wird. Sie eignen sich hervorragend für historische Gebäude, aber auch für moderne Wohnräume, wo eine natürliche, warme Ästhetik gewünscht ist. Die Anwendung erfordert jedoch Sorgfalt, da sie empfindlicher auf mechanische Belastung reagieren als Silikatfarben.
  • Lehmfarben: Lehmfarben enthalten Tonmineralien als Bindemittel und oft pflanzliche Öle oder andere natürliche Zusätze. Sie sind besonders atmungsaktiv und feuchtigkeitsregulierend, was zu einem sehr angenehmen Raumklima beiträgt. Lehmfarben haben eine matte, erdige Optik und sind in vielen natürlichen Farbtönen erhältlich. Sie sind ideal für Schlaf- und Wohnbereiche, in denen ein behagliches Gefühl im Vordergrund steht.

Pflanzenfarben und Erdfarben

Diese Farben nutzen Pigmente, die aus Pflanzen, Erden oder Mineralien gewonnen werden und mit natürlichen Bindemitteln wie pflanzlichen Ölen, Harzen oder Stärke versetzt werden.

  • Erd- und Mineralpigmente: Eine breite Palette von Farben kann aus natürlichen Erden und Mineralien gewonnen werden, wie zum Beispiel Ocker (Gelb, Braun), Umbra (Braun), Sienna (Rötlich-Braun), Eisenoxid (Rot, Braun, Schwarz) und Lapislazuli (Blau). Diese Pigmente werden oft mit einem natürlichen Bindemittel wie Leinöl, Kasein (Milcheiweiß) oder einer pflanzlichen Leimbasis kombiniert. Sie bieten eine tiefe, changierende Farbwirkung und sind sehr UV-beständig.
  • Pflanzenextrakte: Bestimmte Pflanzen, wie zum Beispiel die Krappwurzel (Rot), die Färberdistel (Gelb) oder die Indigopflanze (Blau), liefern intensive Farbpigmente. Diese werden oft in Kombination mit natürlichen Bindemitteln eingesetzt und können für besondere Akzente sorgen. Die Lichtechtheit kann je nach Pflanze variieren.
  • Kaseinfarben: Kasein ist ein Eiweißbestandteil der Milch. Farben auf Kaseinbasis sind atmungsaktiv und hinterlassen eine matte Oberfläche. Sie sind biologisch abbaubar und haben eine gute Haftung auf vielen Untergründen.
  • Ölfarben (natürlich basierte): Traditionelle Ölfarben basieren auf natürlichen Ölen wie Leinöl oder Holzöl und enthalten natürliche Pigmente. Sie sind sehr robust und wasserabweisend, trocknen aber langsamer und können bei unsachgemäßer Anwendung eine glänzendere Oberfläche bilden.

Anwendungsbereiche und Untergründe

Die Wahl der richtigen natürlichen Farbe hängt maßgeblich vom zu behandelnden Untergrund und dem gewünschten Endergebnis ab. Mineralische Untergründe sind ideal für mineralische Farben, während pflanzliche Farben oft auf bereits gestrichenen oder grundierten Flächen zum Einsatz kommen können.

Geeignete Untergründe

  • Putz (mineralisch): Gipsputz, Kalkputz und Zementputz sind hervorragende Untergründe für Silikat-, Kalk- und Lehmfarben. Die Verkieselung bei Silikatfarben oder die Carbonatisierung bei Kalkfarben ermöglichen eine feste Verbindung.
  • Beton: Ähnlich wie mineralische Putze ist auch Beton ein guter Untergrund für mineralische Farben, insbesondere Silikatfarben.
  • Mauerwerk: Sichtbares Mauerwerk kann ebenfalls mit diffusionsoffenen Farben behandelt werden, um die natürliche Optik zu erhalten und gleichzeitig zu schützen.
  • Holz: Für Holzoberflächen eignen sich natürliche Lasuren auf Öl- oder Wasserbasis sowie spezielle Holzfarben, die die Holzstruktur atmen lassen.
  • Tapeten: Viele Raufaser- oder Papiertapeten können mit Lehmfarben oder speziellen pflanzlichen Farben überstrichen werden, sofern die Tapete selbst diffusionsoffen ist.
  • Gipskartonplatten: Nach entsprechender Grundierung lassen sich auch Gipskartonplatten mit natürlichen Farben gestalten.

Wichtige Aspekte bei der Anwendung

  • Untergrundvorbereitung: Eine sorgfältige Vorbereitung des Untergrunds ist entscheidend. Er muss sauber, trocken, fettfrei und tragfähig sein. Lose Teile müssen entfernt und Risse ausgebessert werden.
  • Grundierung: Bei manchen Untergründen oder Farbtypen kann eine Grundierung notwendig sein, um die Haftung zu verbessern oder ein gleichmäßiges Saugverhalten zu gewährleisten. Für Silikatfarben werden oft spezielle Silikatgrundierungen verwendet, für Lehmfarben Grundierungen auf Lehm- oder Kaseinbasis.
  • Auftragetechnik: Natürliche Farben werden oft mit Pinsel, Rolle oder auch als Spritzauftrag verarbeitet. Die Werkzeuge sollten für den jeweiligen Farbtyp geeignet sein. Bei mineralischen Farben ist oft ein Nass-in-Nass-Auftrag für eine homogene Oberfläche wichtig.
  • Trocknungszeiten: Beachte die angegebenen Trocknungszeiten zwischen den einzelnen Arbeitsgängen, insbesondere bei Grundierung und Endanstrich.
  • Schutz vor Witterung: Für Außenbereiche sind spezielle Fassadenfarben auf Mineralbasis (Silikatfarben) oder diffusionsoffene Dispersionsfarben mit natürlichen Pigmenten die beste Wahl.

Farbauswahl und Wirkung natürlicher Farben

Natürliche Farben bieten eine Palette, die von zarten Erdtönen bis hin zu kräftigen Erdfarben und pflanzlichen Pigmenten reicht. Ihre Wirkung auf die Raumwahrnehmung und das Wohlbefinden ist oft subtiler und tiefer als die synthetischer Farben.

Die psychologische Wirkung von Farben

  • Erdtöne (Beige, Braun, Ocker): Sie vermitteln Wärme, Geborgenheit und Natürlichkeit. Ideal für Wohn- und Schlafbereiche, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.
  • Grüntöne: Grün wird mit Natur, Frische und Harmonie assoziiert. Es wirkt beruhigend und ausgleichend und ist daher gut geeignet für Arbeitszimmer oder Schlafzimmer.
  • Blautöne: Blau kann je nach Nuance beruhigend oder auch kühlend wirken. Sanfte Blautöne fördern die Konzentration, während intensivere Töne eine gewisse Tiefe erzeugen.
  • Rottöne und Orangetöne: Diese warmen Farben regen an und schaffen eine lebendige, energetische Atmosphäre. Sie sind gut für Essbereiche oder Flure geeignet, sollten aber sparsam eingesetzt werden, um eine Überstimulation zu vermeiden.
  • Weiß und helle Töne: Natürliche Weiß- und Beigetöne sind rein und schaffen ein Gefühl von Weite und Klarheit. Sie lassen sich wunderbar mit anderen Naturfarben kombinieren.

Oberflächenstruktur und Lichtspiel

Die matte Oberfläche vieler natürlicher Farben reflektiert das Licht anders als glänzende Anstriche. Dies führt zu einer sanfteren Lichtstimmung und betont die Lebendigkeit der Farbe. Die leicht körnige Textur von Lehm- oder Kalkfarben kann zudem interessante Schattenwürfe erzeugen und eine angenehme Haptik vermitteln.

Farbkategorie Typische Rohstoffe Eigenschaften Anwendungsbereiche
Mineralische Farben Kaliwasserglas, gelöschter Kalk, Tonmineralien Extrem diffusionsoffen, alkalisch, langlebig, schimmelhemmend Wände (innen/außen), Bäder, Küchen, historische Gebäude
Pflanzen- & Erdfarben Erdpigmente (Ocker, Umbra), pflanzliche Extrakte (Krapp, Indigo), Leinöl, Kasein Atmungsaktiv, vielfältige Farbtöne, warme Optik, umweltfreundlich Wohnräume, Schlafzimmer, Akzentwände, Holzanstriche
Natürliche Bindemittel Pflanzliche Öle, Harze, Stärke, Kasein Biologisch abbaubar, gute Haftung, diffusionsoffen Kombination mit Pigmenten für diverse Anwendungen
Nachhaltigkeit Nachwachsende Rohstoffe, geringer Energieaufwand bei Herstellung Umweltfreundlich, gesunde Raumluft, biologisch abbaubar Gesundheitsbewusstes Wohnen, ökologische Bauweise

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Natürliche Farben zum Wohnen einsetzen

Sind natürliche Farben teurer als herkömmliche Farben?

Die Anschaffungskosten für hochwertige natürliche Farben können initial höher sein als für Standard-Dispersionsfarben. Dies liegt an der aufwendigeren Herstellung und den kostspieligeren Rohstoffen. Berücksichtigt man jedoch die Langlebigkeit, die gesundheitlichen Vorteile (weniger Kosten für Allergietherapien, bessere Raumluftqualität) und die Umweltfreundlichkeit, kann sich der Einsatz natürlicher Farben langfristig als wirtschaftlich erweisen. Zudem ist die Deckkraft mancher natürlicher Farben so gut, dass weniger Anstriche nötig sind.

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Sind natürliche Farben pflegeleicht?

Die Pflegeleichtigkeit variiert je nach Art der natürlichen Farbe. Mineralische Farben wie Silikatfarben sind sehr robust und abriebfest, was sie pflegeleicht macht. Kalkfarben sind etwas empfindlicher gegenüber mechanischer Beanspruchung. Lehmfarben und Farben auf pflanzlicher Basis können empfindlicher auf Wasser reagieren und sollten nicht in stark beanspruchten Nassbereichen ohne zusätzlichen Schutz eingesetzt werden. Generell gilt: Verschmutzungen sollten möglichst umgehend entfernt werden, um Oberflächenschäden zu vermeiden.

Kann ich natürliche Farben über vorhandene Latexfarben streichen?

Das Überstreichen von Latexfarben mit natürlichen Farben ist oft schwierig, da Latexfarben sehr glatt und filmbildend sind, was eine schlechte Haftung für mineralische oder diffusionsoffene Farben bedeutet. In der Regel ist eine gründliche mechanische Entfernung der Latexfarbe oder eine spezielle Grundierung notwendig, die die Haftung für die nachfolgenden Schichten ermöglicht. Es ist ratsam, dies mit dem Hersteller der natürlichen Farbe abzusprechen.

Wie lagere ich angebrochene natürliche Farben?

Angebrochene natürliche Farben sollten gut verschlossen an einem kühlen, trockenen und frostfreien Ort gelagert werden. Bei wasserbasierten Farben empfiehlt es sich, die Oberfläche mit etwas Wasser zu bedecken, um die Bildung einer Haut zu minimieren. Dosen sollten stets gut verschlossen sein, um ein Austrocknen oder Verderben zu verhindern. Achte auf die Angaben des Herstellers bezüglich der Haltbarkeit.

Sind natürliche Farben für Kinderzimmer geeignet?

Ja, natürliche Farben sind hervorragend für Kinderzimmer geeignet. Sie sind frei von schädlichen VOCs und anderen chemischen Ausdünstungen, die die Gesundheit von Kindern belasten könnten. Die atmungsaktiven Eigenschaften der Farben tragen zu einem gesunden Raumklima bei, was besonders für kleine Kinder mit empfindlichen Atemwegen von Vorteil ist. Die natürliche Haptik und die sanften Farben schaffen zudem eine beruhigende und behagliche Umgebung.

Wie kann ich die natürliche Farbe meiner Wände auffrischen?

Das Auffrischen von Wänden mit natürlichen Farben ist in der Regel unkompliziert. Wenn die Oberfläche noch gut intakt ist, kann ein neuer Anstrich mit der gleichen oder einer ähnlichen natürlichen Farbe erfolgen. Eine vorherige Reinigung der Wand ist ratsam. Bei starken Verschmutzungen oder Beschädigungen kann es notwendig sein, alte Anstriche partiell zu entfernen oder eine passende Grundierung aufzutragen. Bei mineralischen Farben ist oft ein erneuter Anstrich problemlos möglich, da die neue Farbe mit dem Untergrund eine Verbindung eingeht.

Wo finde ich Informationen über die Inhaltsstoffe natürlicher Farben?

Seriöse Hersteller von natürlichen Farben legen Wert auf Transparenz und stellen Informationen über die Inhaltsstoffe zur Verfügung. Diese Angaben findest du in der Regel auf der Produktverpackung, auf dem Sicherheitsdatenblatt oder auf der Website des Herstellers. Achte auf Zertifizierungen wie den Blauen Engel oder das eco-INSTITUT Siegel, die für schadstoffarme Produkte stehen. Bei Unsicherheiten ist es immer ratsam, direkt beim Hersteller nachzufragen.

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